DER EINE PUNKT – VOM PRINZIP HINTER DER TECHNIK ZUM WEG DES AIKIDO
Im Aikido lernen wir eine überschaubare Zahl benannter Techniken – und trotzdem gleicht kaum ein Ikkyo exakt dem anderen. Angriff, Distanz, Position, Energie und Physis des Partners verändern sich ständig. Was gleich bleibt, ist nicht die äußere Form, sondern das Prinzip, das hinter einer Technik steht. Ein Ikkyo bleibt Ikkyo, weil ein bestimmtes Wirkprinzip erhalten bleibt – nicht weil jeder Schritt immer gleich ausgeführt wird.
Mit zunehmender Erfahrung verändert sich deshalb auch das Lernen. Am Anfang steht die Technik im Vordergrund: Wir versuchen, eine gezeigte Bewegung möglichst genau nachzumachen. Später werden die Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichen Ausführungen immer wichtiger. Die Prinzipien treten in den Vordergrund und die konkrete Technik beginnt sich an Angriff und Situation anzupassen. Im Idealfall muss sie nicht mehr bewusst konstruiert werden, sondern ergibt sich aus dem Moment.
Dabei wirken die Grundprinzipien des Aikido nie isoliert. Zentrum, Kensen, MaAi, Kokyu, Ki, Irimi und Tenkan oder Yin und Yang greifen ineinander. Schon die Verbesserung eines einzelnen Details kann sich deshalb auf viele unterschiedliche Techniken auswirken.
Vielleicht liegt genau darin einer der spannendsten Aspekte des Aikido: Mit zunehmendem Können lernen wir nicht einfach immer mehr Techniken – wir entdecken immer mehr von dem, was hinter ihnen liegt.

